Die zwei Dinge
Unter dem Titel The two things (Die zwei Dinge) stieß ich auf einen Artikel von Glen Whitman, der mich sofort in seinen Bann zog.
Zur Erläuterung: Bei "Die zwei Dinge" handelt es sich um eine Art Spiel, bei dem ein Begriff ausschließlich über zwei Merkmalsbeschreibungen erläutert werden soll. Alles weitere kann und soll anschließend von diesen beiden Beschreibungen abgeleitet werden.
Selbstverständlich ist dies eine starke Vereinfachung und man sollte im Hinterkopf behalten, daß es sich hier letztlich um einen eher spielerischen und humorvollen Ansatz handelt. Beeindruckt hat mich aber, daß dieses Vorgehen eine gewisse Konzentration auf das Wesentliche mit sich bringt und daß die verschiedenen Definitionen zum Nachdenken und zum Schmunzeln anregen.
Weil es mir so gut gefällt, hier einige Definitionen von mir persönlich, passend zu den Inhalten dieser Fotografie-Seite:
Die zwei Dinge über Fotografie:
- Alles hängt vom Licht ab.
- Es gibt keine zwei gleichen Bilder.
Vielleicht wird man über den zweiten Punkt ein wenig nachdenken müssen. Es gibt (durchaus berühmte) Fotografen, die über lange Zeiträume hinweg immer wieder in Abständen ein gleiches Objekt fotografierten, weil sie in ihren Bildern genau die Unterschiede haben herausarbeiten wollen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Philosophie des "pante rei" (alles fließt).
Die zwei Dinge über Graffiti:
- Lange nicht jedes Graffito ist Kunst, aber es gibt eine ganze Menge künstlerisch wertvolle Graffiti.
- Es gibt kriminelle Graffiti, aber nicht jedes Graffito ist kriminell (je nach Mentalität mag der Leser das Wort "kriminell" auch mit "fehl am Platze" ersetzen).
Mehr dazu auch im Artikel über das Pro und Kontra von Graffiti als Artcrime ...
Die zwei Dinge über "Taken From ...", meine persönliche Graffiti-Fotografie:
- Es handelt sich um Fotografien von Graffiti-Kunstwerken.
- Es handelt sich jedoch keinesfalls nur um reine Reproduktionen bestehender Kunst.
Das Foto ist mit dem vorgefundenen Graffito nicht identisch, sondern zeigt es nur im Ausschnitt. Da das Foto aus dem vorhandenen Kunstwerk nur einen Teil "entnimmt" (und dieser wurde bei der Aufnahme sehr gezielt und überlegt ausgesucht), bezeichne ich es als "Taken From ...", somit als unabhängig und neu, und zugleich als eine künstlerische Fotografie.
Die zwei Dinge über Friedhöfe:
- Hier bestatten wir unsere Verstorbenen.
- Friedhöfe und Gräber können sehr unterschiedlich sein. Für die Toten ist das wahrscheinlich weniger von Bedeutung als für die Lebenden.
Mehr dazu auch im Artikel Crossing the Cemetery: Über die Bedeutung der Friedhofsspaziergänge ...
Die zwei Dinge über "Crossing the cemeteries", meine Friedhofsfotografie:
- Die Fotografien reflektieren den Umgang der Gesellschaft mit dem Tod.
- Auf einer eher unbewußten Ebene vermitteln diese Fotos außerdem Gefühle und Stimmungen, die den Besucher eines Friedhofes begleiten und die ihn mit seiner eigenen Einstellung dem Sterben gegenüber konfrontieren.
Keineswegs, so habe ich beobachtet, lösen die gleichen Abbildungen bei den Betrachtern immer die gleichen Emotionen aus, ganz im Gegenteil. Offenbar kommt es hier regelmäßig auch zu Projektionen, die der Einzelne aus sich selbst heraus in das Bild hinein denkt. Was empfinden Sie, während Sie sich diese Friedhofs-Fotografien betrachten?